Sollen wir populistisch werden?

Oder vielleicht lieber kritischer?In seinem Kommentar zur ominösen Schweizer Volksabstimmung erinnerte Charles Lewinski an einen seiner satirischen Romane mit dem
«Musterbild eines Politikers, der mit dem Appell an dumpfe Vorurteile Karriere macht. Der auf alles losgeht, was man mit etwas Fantasie als fremd oder unschweizerisch bezeichnen kann, weil er sich darauf verlässt, dass es für den politischen Erfolg keine differenzierte Argumentation braucht, solange man nicht an die Urteils-, sondern nur an die Vorurteilskraft seiner Wähler appelliert. Weil er von Franz Josef Strauss gelernt hat, dass im Krieg der Meinungen die Lufthoheit über den Stammtischen entscheidend ist. Weil er den zentralen Lehrsatz des Populismus verinnerlicht hat: Das einfache Argument schlägt jederzeit das richtige. Diffamieren geht über Studieren.»Diese Analyse, die leider richtig ist, gibt mir zu denken. Sollten nicht auch wir die Wahrheit beiseite lassen? Diffamieren statt sachlich argumentieren?Nein, auch hier heiligt der Zweck die Mittel nicht. Überdies würden auch wir zu Verluderung der politischen Sitten beitragen.Darum lieber: Seien wir noch kritischer und durchschauen wir die plumpen Behauptungen der Populisten. Klären wir auf, indem wir zeigen, wie blöde und wirklichkeitsfern die ihre Tricks sind. Und vertrauen wir darauf, dass die Wahrheit siegen wird.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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