Die Kirche in Luzern, Zürich, Bümpliz ….Der Anfang des folgenden Abschnittes aus Walter Kirchschlägers Wiener Referat tönt für Nicht-Theologen vielleicht etwas kompliziert. Es lohnt sich trotzdem, sich darauf einzulassen:Die Wurzeln für eine solche Entwicklung (Zentralismus; oder mit Leo Karrer: «zentralistische Übersteuerung; Anm. WLu.)liegen bereits weiter zurück und finden sich in einer problematischen Kirchenterminologie. Sie spiegelt sich in der offiziellen Übersetzung der in kirchlichen Dokumenten des öfteren verwendeten Rede von der ecclesia universalis und der ecclesia particularis. Dass mit der ersten Bezeichnung die Universal- oder Gesamtkirche gemeint ist, von der wir auch als Weltkirche sprechen, ist unbestritten. Schon die offizielle Übersetzung der Konzilsdokumente überträgt ecclesia particularis aber nicht mit dem Begriff «Ortskirche», sondern spricht in diesem Zusammenhang von «Teilkirchen». Das sind keine Synonyme: Die Ortskirche ist – mit Paulus gesprochen – «die Kirche Gottes, die in … [z. B. Korinth, Achaia, Galatien, usw.] ist». Die Teilkirche partizipiert am Kirche_Sein der Gesamtkirche, leitet von dort her wesentlich ihr Kirchesein ab. Dann ist es nur konsequent, dass sie zentral organisiert und geleitet wird. Wie künstlich gewollt allerdings diese Sprachregelung ist, zeigen kirchenamtliche «Versprecher», die da und dort vorkommen und in denen der Universalkirche die Lokalkirche gegenüber gestellt ist.Auch hier gilt: «Nicht ist es so unter euch.» Die Kirchen – beachten Sie bitte den Plural – der neutestamentlichen Zeit entwickeln sich bottom up. Sie entstehen im antiken Hausverband als so genannte «Hauskirchen», sie sind zusammengeführt in mehrere Hauskirchen umfassende Kirchen an einem Ort. Diese numerisch kleinen Kirchen geniessen ein Privileg, das für das kirchliche Leben unerlässlich ist: Sie sind überschaubar, daher auch beziehungsfähig, darin gewollt oder ungewollt offen für die Wahrnehmung von «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst» der Menschen, die in ihnen leben. Diese Kirchen entfalten liturgisches, diakonales und verkündigendes Leben. Paulus insistiert darauf, dass diese Hauskirchen und Kirchen am Ort nicht isoliert für sich leben, und er mahnt die lebendige und konstruktive Einheit an. Dieses Einheitsstreben und die Verpflichtung dazu hat einen inhaltlichen Bezugspunkt: Das ist der proklamierte und gelebte Glaube an Jesus Christus als Konkretisierung der allen gemeinsamen Taufwirklichkeit (vgl. 1 Kor 1,2).
Eine konkrete Anwendung der paulinischen Theologie erlebte ich, als ich in einer Pfarrei Gottesdienst feierte und Walter Kirchschläger im Kirchenvolk sass. Ein Lektor fehlte und ich fragte wie immer in solchen Fällen, ob jemand die 1. Lesung vortragen möchte. Walter meldete sich und las: «Paulus an die Kirche in Korinth» – und nicht wie üblich «….die Gemeinde in…»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/gegen-zentralistische-uebersteuerung/