Wir Ihr Sie

Mit einigen Tagen verschnaufend-nachdenklicher Verspätung ein Kommentar zum «Tatort» vom letzten Sonntag. Wie das neue Team aus Dortmund so setzt auch das Duo Rubin-Karow aus Berlin Meilensteine in der Krimi- und Fernsehgeschichte der neueren Zeit. Die Tabubrüche, die hier gegen die Konsum- und Sehgewohnheiten vergangener Jahrzehnte gesetzt werden, sind eklatant. Götz Georges Schimanski verblasst ihnen gegenüber zum Waisenknaben.
Der Mut, auch in so einem Format zwei parallele Geschichten, eine davon über mehrere Folgen hinweg, zu erzählen, den/die Zuschauer/in zum Nachdenken und Recherchieren zu zwingen, das ist beachtlich. Der Mut auch, nach so einsam zölibatären Ermittlern/innen wie Hercule Poirot, Miss Marple, Derrick, Kommissär Hunkeler und Co. eine Mutter-Kommissarin, der der Spagat zwischen Familie und Beruf ständig misslingt, zu zeigen, ebenso. Und dass endlich ein tendentiell schwuler Ermittler in einer Hauptrolle und nicht als Opfer oder Täter auftritt, nochmals ebenso.

Heinz Angehrn

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