Kaum eine gesellschaftliche Rolle wird so verherrlicht und hoch gepriesen wie die der Mutter. Man kann sich schon überlegen, warum dies in unserer so patriarchal geprägten Welt der Fall ist (wenn wir mal von der Kommerzialisierung auch dieses Brauchtums absehen). Ist es/war es das schlechte Gewissen der abwesenden Väter? Wenn dem der Fall wäre, dann sollte dieser Tag langsam ausgedient haben.
Noch härter aber dies: Diese Verherrlichung der Rolle der Mutter hat auch über viele Generationen hinweg deren Schattenseiten verdrängt. Es ist nicht jede Mutter im emotionalen Sinn für ihr Kind eine gute Mutter. Ich rede bewusst nicht von «Rabenmüttern», das gibt es hoffentlich selten. Aber es wäre an der Zeit, einmal über den emotionalen Missbrauch von Kindern zu sprechen, insbesondere über die Ersatzrollen, die sie immer wieder nolens volens übernehmen müssen.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant