Quer durch die Konfessionen

ging es übrigens damals im 19.Jahrhundert in diesem eigenartigen Streit, den wir heute mit dem Terminus «Kulturkampf» benennen. Zwar nicht gebildeter Historiker ist mir im Blick durch unsere Geschichte einiges aufgefallen, etwa:
a) Dass es durchaus auch Evangelische gab, die dem aufkommenden politischen Radikalismus misstrauten, ihm unterstellten, Familie und Gesellschaft zu untergraben und in dem (dann ja durch den Bürgerkrieg) erreichten Zentralstaat ein Werk der Zerstörung sahen. Bekanntester Zeuge für dieses Denken ist der Berner Pfarrer Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf (vor allem im Spätwerk).
b) Dass es immer auch Katholiken gab, die sich in der neuen Bewegung, die bald zum Freisinn führte, engagierten. Im Kanton St.Gallen etwa war gerade das Verhalten dieser auf etwa einen Drittel geschätzten Minderheit wichtig bei den Grabenkämpfen, die die Schweizer Innenpolitik ausmachten. Selbst die (schändliche, aus heutiger Sicht!) definitive Aufhebung des Klosters ist nicht nur das Werk von Napoleon und böser Evangelischer.
c) Gerade darum war es bis in die 80er Jahre Brauch, dass einer der drei freisinnigen Regierungsräte im Kanton St.Gallen katholischer Konfession und damit immer noch ein Urenkel jener Generationen war.
d) Ganz spannend, dass sich Katholiken, die sich bei den linken Gewerkschaften und der SP engagierten, aus diesen Grabenkämpfen heraus hielten, ja sie (im Büchlein über Welschenrohr belegt), mit einer leichten Schadenfreude beobachteten (übrigens verständlich: sie waren ja geistig sowohl durch die Freisinnigen wie durch die Konservativen «exkommuniziert»).

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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