So beendet Adrian Loretan den Artikel mit Zitaten dieser beiden so unterschiedlichen Herren. Eigentlich gibt es kaum einen gemeinsamen Nenner zwischen einem Vertreter der Frankfurter Schule mit Wittgenstein-geschultem analytischen Blick und einem Kulturkonservativen mit Hang zu einer Art johanneischem Dogmatismus. Doch wechselte Habermas anfangs der 70er Jahre ja nach Starnberg, begab sich also in die Höhle der bayerischen Löwen und arbeitete dann mit Carl Friedrich von Weizsäcker zusammen. Also schon da eine biographisch-geographische Annäherung.
Die Zitate:
Habermas (2002): «Gläubige verschiedener Religionen in einer pluralistischen Gesellschaft müssen sich auf die Prämissen des Verfassungsstaates einlassen … Ohne diesen Reflexionsschub entfalten die Monotheismen in rücksichtlos modernisierten Gesellschaften ein destruktives Potential.»
Ratzinger (2004): «Hinsichtlich der praktischen Konsequenzen finde ich mich in weitgehender Übereinstimmung mit dem, was Jürgen Habermas über eine postsäkulare Gesellschaft …. ausgeführt hat.»
Ratzinger (2004): «Es gibt Pathologien in der Religion, die es nötig machen, das göttliche Licht der Vernunft sozusagen als ein Kontrollorgan anzusehen, von dem her sich Religion immer wieder neu reinigen und ordnen lassen muss.»
Ergo: Ich möchte der aufgeregten Islam-Debatte in Westeuropa, die zurzeit in Gefahr ist, zu vieles zu schnell schön zu reden, diese Zitate ans Herz legen! Dann nehme man noch Navid Kermani hinzu, und wir sind der eigentlichen Wahrheit sehr nahe.
Morgen die Conclusio in meiner Sprache.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant