Wie überall auf der Welt war ich sehr überrascht als ich gestern um 12 h per Eilmeldung der Tagesschau.de die Mitteilung über den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt erhielt.Da Signum, die katholische Zeitschrift in Schweden, mit ihrem Redaktionsteam bei uns im Haus sitzt, konnte ich die Nachricht einem Lauffeuer gleich in Gang setzen. Die Mitteilung ging aus meinem Büro, zum Webmaster, dann zur Redaktion und via Twitter hinaus in «alle Welt». Das heisst, die katholische Stimme zum Rücktritt kam aus unserem Haus. Ich selber konnte die Ankündigung des Rücktritts zunächst -wie viele andere – nicht glauben. Anders die Jesuiten. Für meinen Chef zum Beispiel kam dieser Rücktritt nicht ganz so überraschend. Als vor Jahren der Jesuitengeneral nach 24 Jahren zurücktrat, war das für den Jesuitenordens ein erstmaliges Ereignis, da der General normalerweise auf Lebzeiten gewählt ist. Der Papst soll diesen Rücktritt damals schon positiv kommentiert haben. Seine Aussage liess die Jesuiten aufhorchen und ein mancher fragte sich damals schon, wird der Papst einmal selber zurücktreten? Die Antwort kam gestern.
In der säkularen Medien war der Rücktritt am Nachmittag Hauptschlagzeile. Dazu muss man wissen, dass es in den Medien normalerweise drei Abteilungen gibt: Politik, Kultur und Sport. Journalisten, die etwas von Religion und Kirche verstehen (geschweige von Katholischer Kirche) gibt es nicht. So wird dieser Rücktritt abgehandelt, wie wenn der CEO von Volvo zurücktreten würde. In säkularem Vokabular wird darüber berichtet, dass der CEO der Katholischen Kirche zurücktritt, weil sein Generalvorstand (das Kardinalskollegium) wohl Druck ausübte und neues Blut in die Kirche fliessen lassen will. Die nächste Generalversammlung des Konzerns (gemeint ist das Konklave) wird im März den neuen CEO wählen. Garniert wird die Story mit einigen Fakten aus dem Leben Benedikts vor allem mit seiner Zugehörigkeit zur Hitlerjugend. Es gibt keine Würdigung oder Kritik an den Schriften Benedikts auch nicht an seiner Art wie er die Kirche geführt hat. Selbstverständlich tauchen noch die unsäglichen Geschichten von der Regensburgerrede, die Missbrauchsskandale und Bischof Williamson auf. Alles in allem ist der Ton sehr gehässig.
Nach dem Mittag erhielt ich per Twitter die Mitteilung,dass unser Bischof eine Pressekonferenz in Stockholm geben wird. Vergeblich habe ich heute in den Zeitungen nach einem Satz über diese Konferenz gesucht. Ob überhaupt ein Journalist da war??
Es fällt der katholischen Kirche als extreme Minderheit immer noch sehr schwer, sich in der Öffentlichkeit mit differenzierten Stellungnahmen bemerkbar zu machen. Die einzigen Kanäle sind die eigenen Medien.
Was allerdings in Schweden gut ist: Das Thema wurde gestern hochgekocht und ist heute bereits wieder verschwunden – bis zum nächsten Papstrücktritt.
Sibylle Hardegger
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant