Der Start in prall gefüllte Kulturtage an diesem Wochenende ist geglückt. Den Titel habe ich bewusst gewählt, weil ich beides nicht trinke, das eine nicht, weil ich kein Kleinkind mehr bin, das nicht schlafen kann, das andere, weil ich die mit Bier verbundene Macho-Welt nicht goutiere.Also denn – nun in meiner Sprache – Beerliwein oder Barolo, das war die Frage gestern Abend in der St.Galler Tonhalle. Für den Beerliwein stand Wolfis Klavierkonzert Nr.19 in einer Version für Harfe und Orchester (gänzlich missglückt trotz dem beeindruckenden Solisten Xavier de Maistre, denn wo das Klavier auch in sanften Passagen klanglich durchkommt, versank die Harfe im Streicherklang). Für den Barolo stand Anton Bruckners monumentale Vierte. Wieder einmal (das Dirigat von Modestas Pitrenas war weit von dröhnendem Einheitsbrei entfernt und öffnete immer wieder neue «Hör-Sichten») nichts als Bewunderung für diesen kleinen frommen Mann mit skrupulösen Zügen, er ist der grosse Sinfonik-Architekt der Musikgeschichte!
Die Kulturtage gehen weiter heute abend mit fröhlich mordenden Schwestern in St.Gallen und am Sonntag mit einem grimmig mordenden Ehepaar im Hochland.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant