D 956 !!

Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur stand da für mich urplötzlich überlebensgross, jedes nur mögliche Quentchen Aufmerksamkeit erheischend und als eine Art «musikalisches Unikat» der Spitzenklasse im Raum. Zeit und Ort waren für über 50 Minuten aufgehoben, gar nicht mehr existent. Es brauchte nur fünf Musiker, nicht ein 120köpfiges Orchester, mit ihrer Begeisterung und ihrem musikalischen Talent, um uns an diesem Abend ein gewaltiges Geschenk zu machen. Ich lese und höre, dass das Quintett nach Schuberts Tod zunächst an die zwanzig Jahre in irgend einer Schublade verschwand, ohne eine Aufführung zu erleben. (Was für ein Horror, hätte irgend eine Putzfrau im Sinne der Schweizer «Volkskultur» sauber gemacht!)
Ich bekenne zum Schlusse, dass ich in kulturell doch schon fortgeschrittenem Alter einem der absoluten Meisterwerke der Musikgeschichte begegnet bin. In Zukunft werde ich auf die einsame Insel nebst Bruckner (Sinfonik) und Wagner (Oper) ganz sicher Schuberts Kammermusik mitnehmen.

Heinz Angehrn

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