The crucible

Erstmals wurde am vergangenen Sonntag Arthur Millers Stück aus dem Jahr 1952 in St.Gallen auf die grosse Bühne gebracht. Es war schnell, es war laut und es war brandaktuell. Nicht nur die Sprache, sondern auch die Thematik traf ins Herz. Die grosse Kritik kann bei mir bezogen werden. Zwei mir für hier brauchbare scheinende Abschnitte aber für alle, heute und morgen.
‘Das St.Galler Sprechtheater zeigt sich in dieser Saison schulfreundlich. Nach der alten Dame, dem Klassiker der Deutschlehrer, nun Arthur Millers «The crucible» (mit «Hexenjagd» absolut inadäquat übersetzt). Der Rezensent begegnete so auch an diesem Abend der eigenen Geschichte. Aber nicht nur und viel mehr: In Anwesenheit des designierten Schauspielchefs ab der Saison 16/17, Jonas Knecht, begegneten alle Anwesenden zum ersten Mal in St.Gallen einem der Klassiker des 20.Jahrhunderts, ein Lehrstück, eine philosophische Auslegeordnung zum Thema Werte und ein brutal-grässliches Selbstportrait der Gattung «homo non semper sapiens». Was Arthur Miller unter dem Eindruck der ideologischen Schauprozesse gegen alles Linke unter McCarthy unter Verwendung alter historischer Dokumente über Hexen-Prozesse (das eben ist der «crucible», der Schmelztopf als Bildwort für ein solches Verfahren) im Neuengland des ausgehenden 17.Jhs. schuf, ist paradigmatisch geworden, gut vergleichbar mit Brecht, Frisch und Dürrenmatt.’

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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