28.10. 2.Teil

«Unsere heutige Begegnung hat nichts mit einer Ideologie zu tun. Ihr arbeitet nicht mit Ideen, ihr arbeitet mit Realitäten wie jenen, die ich erwähnt habe, und vielen anderen, von denen ihr mir erzählt habt. Ihr steckt mit den Füssen im Schlamm und habt die Hände im Fleisch. Ihr riecht nach Viertel, nach Volk, nach Kampf! Normalerweise schenkt man eurer Stimme wenig Gehör – vielleicht, weil sie stört, vielleicht weil euer Aufschrei lästig ist oder die von euch geforderte Veränderung Angst macht. Doch ohne eure Präsenz, ohne wirklich in die Peripherien zu gehen, bleiben alle guten Vorschläge, alle Pläne, von denen wir bei internationalen Tagungen so oft hören, nur leere Worte. Wir wollen, dass man eure Stimme hört. Das ist mein Plan.
Der Skandal der Armut lässt sich nicht vermeiden, indem man Verharmlosungsstrategien betreibt, die letztendlich nur dazu gut sind, die Gemüter zu beruhigen und die Armen zu gut kontrollierten, harmlosen Wesen zu machen. Wie traurig ist es doch, zuzusehen, wie andere unter dem Schutzmantel vermeintlich altruistischer Werke zur Passivität verurteilt, ja verleugnet werden, oder dass sich – und das ist noch schlimmer – dahinter in Wahrheit persönliche Interessen und Ambitionen verbergen: Jesus würde sie als heuchlerisch bezeichnen. Und wie schön ist es dagegen doch, zu sehen, wie Völker, und vor allem ihre ärmsten Mitglieder und die jungen Menschen, in Bewegung sind. Dann ja, dann spürt man ihn tatsächlich, den belebenden Windhauch, der die Hoffnung auf eine bessere Welt verheisst. Möge dieser Windhauch zu einem Hurrikan der Hoffnung werden! Das ist mein Wunsch.»

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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