Bestätigung und Korrektur der Vorurteile

Das zweite Konzert des diesjährigen St.Gallen Meisterzyklus (eigentlich das erste, denn Madame Grimauds Auftritt musste wegen eines Fingerschadens in den Frühling verschoben werden) wird von mir mangels Sachwissen nicht in Länge, sondern hier nur kurz kommentiert.
Zu Gast aus dem musikalischen Ungarland waren Miklós Perényi am Cello und Dénes Várjon am Klavier. Sie spielten sich – bald zusammen, bald solistisch – quer durch Musikgeschichte und Repertoire. Ein toller Abend, im kulturträgen St.Gallen (da liebt man ja mehr den FC und das öde Tattoo in der Halle…) sogar gut besucht. Inhaltlich bestätigten «Opa» Miklós und «Sohn» Dénes zunächst unsere Vorbehalte gegenüber JSB: Die Suite Nr.4 Es-Dur BWV 1010 für Cello solo war prächtig gespielt und unheimlich mathematisch-lang-langweilig. Herr Beethoven, der sie mit der Sonate für Cello und Klavier Nr.3 A-Dur op.609 und der Klaviersonate Nr.12 As-Dur op.26 rahmte, hingegen bestätigte seine Reputation und war fantasievoll-lebendig. Doch die «Korrektur» der Vorurteile folgte dann mit den ungarischen Stücken: Zoltan Kodálys Sonatina ist ein überraschend impressionistisch-geheimnisvolles Werk und Béla Bartóks Rhapsodie Nr.1 Sz 86 überschäumte uns mit Zigeunerweisen. Die Zugabe dann wieder mitteleuropäisch-romantisch mit Robert Schumann. Guter Abend im Winterdunkel!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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