Ich melde mich zu Ende des Tages eben noch einmal. «Orthopraxie» heisst zugunsten der Menschen denken, im Sinne Jesu denken, wo jegliches Gesetz, jegliche religiöse Bestimmung, jegliche Moralvorschrift für den Menschen da zu sein hat und nicht umgekehrt. Und je mehr ein Mensch oder eine Gruppe am Rande des gesellschaftlich-durchschnittlich Üblichen steht, desto mehr hat jegliches Kirchengesetz ihm in seiner schwachen Stellung zu dienen.
Vor dem Hintergrund sind es nur Zorn einserseits und intellektuelles Mitleid andrerseits, die ich empfinde, wenn ich folgende völlig frische und aktuelle Verdrehung dieser Wahrheit lese: «Schon zu Jesu’ Zeiten empfanden viele das, was Er sagte, als ,unerträglich’. Und zwar nicht, weil Jesus zu hart kommunizierte, sondern weil man in der Sache selbst nicht einverstanden war. Es ist wichtig, dies realistisch zu sehen und sich nicht in Stildebatten zu flüchten, die vom eigentlichen Problem ablenken.» «Unerträglich» sind für Menschen, die so denken, die Barmherzigkeit, die er lehrte, und die über jeder theoretisch erdachten Wahrheit seiner fehlgeleiteten Jünger steht. Wollen Sie nicht endlich eingestehen, dass Sie mit ihm in der Sache «nicht einverstanden» sind?
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant