Es war so um 1870 in Mittelitalien. Endlich war es den Reformkräften des Risorgimento gelungen, aus zerstückelten Einzelteilen ein ganzes Ding zu schaffen (von dem Giuseppe Verdi schon mehr als zwanzig Jahre vorher träumte: «Cara patria, già madre e reina» – «Attila»). Mehrere aus Sicht des Risorgimento zu Unrecht das Land beherrschende Mächte wurden ihrer politischen und damit territorialen Macht enthoben. So reduzierte sich auch der Vatikanstaat (endlich) auf seine vernünftige Minigrösse rings um den Petersdom. Es war gut 80 Jahre nach der Französischen Revolution (etwa 60 Jahre nach der Aufhebung unserer Fürstabtei) eine notwendige definitive Entmachtung des höheren Klerus.
Weinen und Wehklagen erfüllte den Vatikan, Papst und Kardinale reduzierten sich zu dem, was sie nach Meinung des Religionsgründers auch sein sollen: Seelsorger, spirituelle Menschen. Das genügte ihnen aber nicht. Und darum, wie die Herren Hasler und Küng uns aufgezeigt haben, wurde dieser tragische Verlust durch ein neues ultimatives Dogma kompensiert!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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