Die aktuelle Ausgabe der «Neuen Wege» dokumentiert zum 40.Todestag von Konrad Farner, der als «grosser Schweizer Kunsthistoriker, Essayist und marxistischer Theoretiker» bezeichnet wird, Passagen aus seinem Werk (NW 4/2014, S.114-117). Für mich als Vertreter der Generation der «Nachgeborenen» (ich wuchs als kleiner Bub mit den Berichten meiner Mutter über den Ungarnaufstand von 1956 auf und war als Sek-Schüler 1968 bei der Demo gegen den Einmarsch in die CSSR dabei) wieder einmal der Versuch zu verstehen, was denn das für seltsame Menschen waren, die an Stalins Kommunismus glaubten.
Aber Herr Farner enttäuscht mich sehr: Ein schwülstiger Rundumschlag über alle grossen Hoffnungs-Utopien der Menschheitsgeschichte, von religiösen bis politischen, ist höchstens Beleg, dass es diese «grosse Hoffnung» immer gab und gibt, aber er sagt nichts aus über ihr Wesen. Teilhard de Chardin, die Propheten des AT, Sir Thomas More (der dreht sich im Grabe um, wenn er sich von Farner zitiert sieht), Shakespeare, Picasso und Karl Marx über einen Leisten zu schlagen, das ist theoretisch und logisch so ein Unfug, dass ich nicht einmal mehr lachen kann. Und dann dieser unerträgliche Satz (S.115): «Jetzt ist die grosse Hoffnung nicht mehr Utopia als Wunschbild … sondern wirkliche, ständig lebende Aktion». Das soll ein «grosser» Theoretiker sein?
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant