Vom Bergwandern weiss ich, dass der dritte Tag immer der Schlimmste ist. Und genau dieser lag am Sonntag vor uns. Mal sehen, was auf uns zu kommt. Als ich aus dem Zelt kroch, hatte Philip noch nicht ganz zusammen gepackt – Gott sei Dank. Und Lukas Zelt stand auch noch….Wir kochten erst Frühstück. Ein sehr interessantes Menü. Haferflocken mit Wasser aufgekocht und dann mit Marmelade aus der Tube verfeinert. Echt gut! Smile! Anschliessend feierten wir Eucharistie. Ein bewegend und erhebendes Erlebnis.
Das Geschirr übrigens ein Geschenk des Bistums Basel aus ausgemusterten Armeebeständen. Danke!
Nach dem Feiern hiess es packen und den dritten Tag in Angriff nehmen. Um 10 h fuhren wir los. Und nach nur 3 km kam es zu meinem 2. Sturz. Der zum Glück glimpflich ausging. Ich musste eine Strasse überqueren, hatte vortritt, als plötzlich ein Auto aus einer Seitenstrasse auf mich zu schoss. Ich konnten nur noch einen Vollstopp reissen. Für das Ausklinken blieb keine Zeit mehr. Ich stürzte ziemlich unsanft und prallte mit dem Hinterkopf voll auf den Asphalt. Dem Helm sei Dank, es ist nichts geschehen. Der Sturz war so kraftvoll, dass es meine Schuhe sofort aus den Pedalen riss. Der anschliessende Disput mit der Autolenkerin erspare ich euch hier. Glück im Unglück. Weiter geht es! Ich fuhr nun zur Sicherheit eine Zeit ohne das EInklicken, war mir irgendwie wohler dabei…Ja, die Anstrengung war nun deutlich zu spüren. Einmal als es bergauf ging, natürlich mit Gegenwind, blieb mein Rad einfach stehen, ich hatte nicht mal im ersten Gang genügend Kraft. Sturz 3! Ich dachte schon: Keiner gesehen! Just in diesem Augenblick drehte sich Lukas um. Zur Entwarnung winkte ich fröhlich. Also Rad aufstellen und weiter. Als ich wieder bei der Truppe war, konnte ich meinen Sturz nicht verheimlichen, denn mittlerweile sah mein Dress aus wie nach einer Rallye Paris – Algier (Zitat Philip). Egal weiter geht’s. Sigtuna ein wunderbares Städtchen am See war unser Mittagesziel. Naja, eigentlich wäre Märsta unser Ziel gewesen, aber wir waren einfach zu langsam. Der Gegenwind machte uns arg zu schaffen. Der war so mühsam. Sogar bei Abfahrten musste man heftig in die Pedale treten, damit man überhaupt vorwärts kommt. Schrecklich. Die letzte Strecke war ein ständiges Auf und Ab. Ich dachte wieder an die norwegischen Berge und ich dachte ans Aufgeben. Ich konnte mir nicht vorstellen am Nachmittag noch 50 km zu fahren. Philip hatte ja einen Mitbruder als Notfallfahrer angestellt, den wir jederzeit hätten anrufen können und der uns dann aufgepickt hätte. Ich dachte ernsthaft daran- vor dem Essen. Nachdem ich eine Portion Pommes gegessen hatte, war die Welt wieder in Ordnung.
Lukas hat zu den Pommes noch einen Hamburger verdrückt:
Philip sagte mir dann, ich solle bis Märsta noch mitfahren und dann könne ich da den Zug nehmen oder den Notfallfahrer anrufen. Aber ich gab bekannt, dass ich bis zum Schluss mitfahre. Freude herrschte. Also, das Bein wieder übers Gepäck und los.Hab vergessen den km Stand in Sigtuna anzusehen, war wohl so bei 120 km.
Auf zur letzten Etappe!
Am Nachmittag war der Wind immer noch fies. Ich dachte immer wieder, ah, wir biegen ab und fahren in die andere Richtung, aber der Wind drehte sich mit uns und kam immer genau von vorne. Ein gutes Training für Norwegen, dort wird es auch oft so sein…Die letzten ca 50 km fuhren wir in 15km Etappen. Erster Halt bei der Kirche von Odensala. Eine wunderbar mit Fresken ausgemalte Kirche.
Ein letztes Mal Wasser auffüllen, die letzte Schoggi brechen, eine Tüte Trockenfrüchte …
Zweitletzter Etappenhalt in einem Bushäuschen. Wir sind schon alle ziemlich müde. Aber hier fantasieren wir bereits übers Abendessen: kühles Bier und Spareribs. Und weiter geht’s. Dann die grosse Schrecksekunde: Bei Philips Rad steht plötzlich die Verstrebung des Schutzblechs raus. Oh Nein! Jetzt auch noch Radreparatur?? Nach eingehender Prüfung war der Schaden bald behoben. Und … am Horizont sahen wir die Türme des Domes von Uppsala. Juhui. Geschafft! Bei km 164 trennten wir uns ! Ich musste noch 10 km nach Süden, meine Kollegen noch ca 7 km nach Norden. Wir habens geschafft. In 2 1/2 Tagen um den Mälarensee 164 km! Ich bin ein bisschen stolz. Als ich 50 Min später zu Hause ankam zeigte mein Kilometerzähler: 174.25 km. Nach Trondheim ist es zwar 5 mal mehr! Aber es ist doch schon ein Anfang, oder nicht!
Die Auswertung der Tour steht in den nächsten Tagen an. Eines kann ich aber heute schon sagen: Wir drei harmonieren gut zusammen! Es war super mit den beiden unterwegs zu sein und ich freue mich auf die Radwallfahrt im Sommer!
Sibylle Hardegger
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant