Die Tour Tag 2

Am Samstag morgen weckte mich das Gespräch meiner beiden Mitfahrer und als ich aus dem Zelt raus schaute, stand da bereits Philip mit fertig gepacktem Rad. Oiiii! Ich noch im Schlafsack und ziemlich verschlafen…. Es sollte sich zeigen, dass er morgens um einiges fiter ist als ich. Zum Glück liegt Lukas irgendwo in der Mitte..
Nun nach einem stärkenden Frühstück hiess es auch für Lukas und mich Zelte abbauen. Ging ziemlich fix, fand ich und dann waren wir bereit für den Start.
Wem wohl dieses bereits bepackte Rad gehört?
Let`s go!
Das Wetter war wunderbar schön und unser Gefährte der Gegenwind erwartete uns auch schon. Grundsätzlich folgten wir dem Sverigeleden, der uns um den Mälernsee führen sollte. Nur ganz wenige Abschnitte mussten wir auf Hauptstrassen fahren. Meist ging es über Land oder durch Wald auf guten Pfaden. Aber eines muss ich sagen: Schweden ist nicht so flach wie man sich das vorstellt. Manchmal musste ich mit den Steigungen arg kämpfen. Ich fahre ja auch nicht alle Tage mit 21 kg Gepäck auf dem Rad. Aber irgendwie ging es und es ging so gut, dass ich die Landschaft sogar noch geniessen konnte. Dann sah ich meine Kollegen auf mich warten und mit jemandem sprechen. Ich wollte mich also sofort aus den Pedalen ausklicken…was mir links aber nicht gelang – rechts schon. Aber unglücklicherweise trat ich nochmals ins Pedal und der Schuh klickte sich wieder ein. So landete ich richtiggehend mit einem Sturz bei der Gruppe. Beide Füsse an den Pedalen angemacht und das schwere Rad auf mir. HILFE!! Der Unbekannte und Philip befreiten mich aus der misslichen Lage. 1. Sturz! Ja, die Pedale brauchen noch etwas Übung! Aber nichts passiert. Der Unbekannte machte sich dann auch ziemlich rasch aus dem Staub. Mittageshalt machten wir in einem kleinen Ort vor einem Supermarkt. Ich war ziemlich ausgepumpt und konnte gar nichts essen. Nur auf eine Cola freute ich mich. Mittlerweile brannte die Sonne ziemlich, auch wenn man das wegen des starken Gegenwindes nicht so merkt. Ich ruhte mich aus, derweil die Männer das Menü für das Abendessen ausmachten. Sie träumten von Bohnen, Speck, Spinatsuppe und Bier. Mir war in dem Moment alles recht. Ich war so ausgepumpt, dass ich mir nicht vorstellen konnte je wieder zu essen….Wasser! brauchten wir wieder. Da es keine öffentlichen Toiletten oä gab, fragte ich in einem Blumengeschäft, ob ich unseren Wassersack und die Flaschen auffüllen dürfe. Kein Problem. Gut gerüstet ging es weiter. Wir hatten bis Mittag ziemlich genau 40 km geschafft.30 sollten bis am Abend noch dazu kommen. Also los geht’s, in die Pedale treten. Philip unser Wegmaker versprach uns einen längeren Halt an einem «schönen Ort». Den wir dann tatsächlich fanden. Mitten in einem Vogelschutzgebiet. Tolle Infrastruktur mit Toiletten und Tischen und Bänken. Hier lässt es sich ruhen. km 51!
Philip versprach uns nach noch einmal 20 km einen Rastplatz am See. Also packten wir es nochmal. Ich mittlerweile schon ein bisschen müde. Aber, wenn man das Bein über das Gepäck geschwungen und wieder im Sattel sitzt, geht es irgendwie. Zum Glück tat mir nichts weh. Das nächste Teilstück war wieder geprägte von auf und ab und einmal mussten wir unsere Räder über Schotter stossen. Da erst merkt man wie schwer das Rad ist. Uff!
Ich gebe es zu: Ich guckte immer wieder auf meinen Kilometermesser und sehnte km 20 herbei. Das letzte Stück führt durch einen Wald – mit Steigung. Da musste ich absteigen und zu Fuss gehen. Ich dachte unweigerlich an die norwegischen Berge, die im Sommer vor uns liegen. Oje…Und dann plötzlich tat sich der Lagerplatz für die Nacht vor uns auf. Tische, Bänke und Toilette inbegriffen – wir sind Glückspilze.
Zelt aufstellen, Kleider wechseln, waschen die einen, im See schwimmen die anderen (Wahnsinnstyp!!) und dann ein feines Abendessen.
Der Kilometerzähler steht auf 95 km. Wir haben 70 km zurückgelegt. Nicht schlecht!Übrigens das Thermometer steht nachts auf 4 Grad. Also nichts wie in den Schlafsack. Auf den Elch warten wir wieder einmal vergebens…

Sibylle Hardegger

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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