Wieder ist «Parsifal»-Zeit. Richard Wagners letztes Werk, von ihm selbst «Bühnenweihfestspiel» genannt (die Einweihung von Bayreuth ist wohl gemeint), mehr ein religiöses Oratorium denn eine klassische Oper, mit seiner unendlich schönen abgeklärten Tonalität, die auch heute zeitlos wirkt, wird in diesen Tagen am meisten auffgeführt. Die Abendmahlsszene im ersten Akt gehört zum Hohen Donnerstag, der Karfreitagszauber spricht für sich, und Kundry, Gurnemanz und Amfortas erleben im dritten Akt ihren Ostermorgen. Mögen sich Theologen/innen auch am Libretto stören (»Erlösung dem Erlöser»), für mich ist und bleibt «Parsifal» (natürlich zusammen mit «Tristan und Isolde») der Höhepunkt dessen, was Theater überhaupt bieten kann.
Wie gerne würde ich das einmal selber inszenieren. Und wie furchtbar ärgere ich mich über missglückte Regieversuche, die nicht Diener der Musik sind, sondern das Ego des/r Regisseurs/in stärken.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant