Und dann kam er, der erstaunliche Tag, an dem die Liturgiereform des Zweiten Vaticanums auch St.Gallen und seine Bischofskirche erreichte. Da wurden plötzlich die schweren Bücher eingemottet (ja zu Beginn trugen die Kleriker nun einfach A4-Blätter mit den ersten deutschen Übersetzungen in den Händen), da entfielen die lateinischen Antworten, der Ministrantendienst reduzierte sich auf Wein, Wasser und Händewaschung. Wir waren jung und einfach erstaunt. Dass es weniger zu machen gab, war aber eigentlich schade. So schlimm wie dem konservativsten Domvikar ging es uns aber nicht: Wie die Handkommunion eingeführt wurde, warf er uns die Hostien erzürnt und mit rotem Kopf in die Hand. Er war es übrigens, der ein Birett trug bis zum bitteren Ende.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant