Rastlos in Zeit und Raum

Bevor Herr Homoki seinen Ansatz der Inszenierung, also die Premieren-Katze, aus dem Sack lässt, möchte ich ihm und Zürich ganz bewusst vorgreifen. Ich gestehe ein: Der «Holländer» ist eine Oper, die ich auch gerne inszenieren möchte. Und eine schlechte Inszenierung tut mir mehr weh als etwa bei «Nozze di Figaro» oder «Werther» (bösartig von mir, ich weiss). Der «Holländer» war auch die erste Oper, die als als pubertierender (leider nur musikalisch, nicht auch sonst) Teenie ganz und in voller Länge kannte.
Ideen für die Regie:1. Es geht hier um eine alte Sage, es geht um Gespenster, um Unheimliches. Wenn der Chor der untoten Matrosen die fröhliche Betrunkenheit der Seeleute übertönt, dann muss es uns gruseln.2. Hier liegt ein hochromantischer Stoff vor. Gerade darum muss nicht naturalistisch inszeniert werden, es darf auch abstrakt und vereinfacht sein (Bühnenbild, Kostüme). Aber es verbietet sich ein bewusstes Zerstören der sagenhaft-romantischen Atmosphäre. Wer das macht, zerstört auch Wagners geniale Musik.3. Es wird die Geschichte einer grossen Liebe erzählt. Ob der Holländer Senta liebt, bleibt unklar, er will einfach Erlösung. Ob Daland seine Tochter liebt, darf hinterfragt werden. Aber: Senta darf nicht lächerlich gemacht werden. Ich weiss, dass man über Wagners Frauenbild streiten kann, aber Senta ist authentisch.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/rastlos-in-zeit-und-raum/