Elias Op.70

Gestern die vierte und letzte Aufführung in der St.Galler Tonhalle. Der Konzertchor Singkreis Egg und schmaz, der Schwule Männerchor Zürich, hatten sich gross ins Zeug gelegt. Felix Mendelssohns Opern-Oratorium ging mit grosser Besetzung und vier würdigen und guten (!) Solisten über die Bühne. Leider war der Saal nur gut zur Hälfte gefüllt, dieser Effort hätte volle Reihen verdient.
Es gäbe ganz viel zu berichten, darum nur einige Brosamen-Bemerkungen:
a) 1846 wurde in London der «Elias» uraufgeführt, drei Jahre vorher der «Holländer» in Dresden. Wenn man weiss, wie Wagner Mendelssohn ablehnte, kann man nur ins Schmunzeln kommen, wie ähnlich die beiden Herren in diesen Werken tönen. Und wenn Frau Corinne Angela Sutter, die Sopranistin, zum Solo anhob, dann sah und hörte man Senta und Elisabeth!
b) Unsere Laienchören leiden samt und sonders unter Männermangel, Tenöre sind geradezu vom Aussterben bedroht. Da standen und sangen 18 Tenöre, deutlich unter dem Altersdurchschnitt. Rettet schmaz wohl die Kirchenmusik?
c) Bei so viel guter Leistung gibt es nur beim Sänger der Titelrolle etwas zum Kritisieren. Der für einen Erkrankten eingesprungene Georg Gädker sah zwar aus wie Elias, und hatte auch ein prophetisches Organ, aber die Endsilben verschwammen im baritonalen Wohlklang. Wenn man nur so wenig zum Kritisieren hat, dann herrscht Glück!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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