Der auf sf1 ausgestrahlte Doku-Film zum Thema war seriös, historisch, theologisch und auch in der Zwiespältigkeit der vermittelten Botschaft: Der Zölibat ist als freiwillige Lebensform etwas Jesuanisch-Attraktives, aber als aufgezwungen-verordnete Lebensform nicht sinnvoll, ja gefährlich.Die Geschichte des Pflichtzölibats, die eigentlich mehr Geschichte seiner ständigen Nichteinhaltung ist, wurde an klug ausgewählten Einzelbeispielen (ein Mittdreissiger, der sich nach Berufskarriere und mehreren gelebten Beziehungen nun auf den Zölibat einlässt; ein Ordensmann, der trotz mehrerer solcher Beziehungen nicht von seiner Klostergemeinschaft wegkommt; ein ausgestiegen-laisierter Familienvater, der doch wieder als Religionslehrer arbeitet) aufgezeigt.
Was verschwiegen wurde und wird: Bei den wirklich Jungen, die mit 24-25 Jahren den Zölibat versprechen und versprochen haben, ist der prozentuale Anteil sogenannter «sexueller Spätzünder» höher als in der Gesamtgesellschaft. So lässt die Kirche mit dem Pflichtzölibat scharf geladene emotionale Minen im Feld der Seelsorgearbeit liegen. Wehe wenn die zur falschen Zeit explodieren! Wunibald Müller hat deutlich gemacht, dass genau darum unser Problem nicht das von Pädophilen ist (deren Anteil im Klerus nicht höher ist als in der Gesamtgesellschaft), sondern genau von beliebten jungen Priestern, die nicht merken, dass sie mit 30-35 Jahren schon doppelt so alt sind wie die wilden Teenies, mit denen sie arbeiten, wenn sie sich nun auch auf den Beziehungsmarkt einlassen.
Der Schreibende weiss, wovon er schreibt, das ist keine graue Theorie. Und er ist heute heilfroh, dass er die gefährlichen Grenzen gerade noch umschiffen konnte.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant