Harry Kupfer kennen wir seit Jahren als einen begnadeten und intuitiven Vertrter der Kategorie gemässigte Aktualisierungsregie. Eines seiner Hauptkennzeichen ist, dass nicht nur dem Ohr, sondern auch dem Auge viel geboten wird, dass er aus Sängern/innen wirklich Sänger-Schauspieler/innen machen kann, und dass man denen die Freude sogar anmerkt. Meist gelingen ihm sein Vorhaben, einzelne sind auch gescheitert. Doch in die Regiegeschichte wird er als prägend eingehen.
Letzte Saison verunglückte ihm in Zürich der «Tannhäuser» gründlich. Das Lokal der Frau Venus und Tannhäusers Herumirren zwischen den Welten als Drogenrausch zu deuten, ist zwar intellektuell ein interessantes Vorhaben, aber es scheitert an Wagners Musik. Da geht es um den Gegensatz Sex oder Liebe, Egomanie oder soziale Anpassung.
So waren wir etwas unsicher, ob die «Meistersinger» (mit denen Herr Pereira sehr schnell – warum eigentlich? – die alte Lehnhoff-Inszenierung ersetze) besser gelingen würden. Und das tun sie, sie wirken auf mich sogar brilliant. Der Trailer spricht für sich, die Begeisterung der Protagonisten wie Frau Banse und Herrn Volle ebenso, und noch mehr: Die Kritiken loben zwar, dass Herr Kupfer auf unnötige «Mätzchen» verzichtet habe (Bravo!), monieren dann aber, dass er keine «Haltung» gegenüber der Schlussrede des Hans Sachs im Finale zeige (sprich, dass er sie nicht ideologisierend umgebogen hat!). Solche Kritik zeigt uns eines: Das ist Theater für uns, kein elitär-hässliches Vergeuden von Steuergeldern.
Also: Geht hin, geniesst die herrliche Dauer der fünfeinhalb Stunden musikalischer Schönheit. Ob man unter Homoki noch hingehen kann, wissen wir noch nicht. Seine erste Tat wird der «Holländer» sein!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant