Nur noch einmal was Musikalisches: Noch beeindruckt von den hier geschilderten Abenden und beeinflusst vom unfreundlichen Wetter hängten wir noch ein kleines Supplement an und lernten unerwartet viel.
Die Mitglieder unseres Sinfonieorchesters bieten ein paar Mal im Jahr Kammermusikkonzerte «Sonntags um 5» zu einheitlichem Mini-Preis und ohne Platzzuteilung an. Angesagt waren Ravel und Brahms, das Streichquartett F-Dur von 1903 und das Streichsextett B-Dur von 1860. Zwischen beiden Werken lagen mehr als 43 Jahre Musikgeschichte, es waren ganze musikalische Welten.
Nach einem tiefgründigen Einblick in Ravels depressiv gefärbten impressionistischen Stil standen wir leicht gelangweilt in der Schulstube des Teutonen mit dem Rauschebart, der braven Streicher-Schülern/innen den Vierviertel-Takt dozierte. Das war nur gerade eine Übung in Sachen Rhythmus und Variation der Melodie, reine Objektivität. Ich kann nicht verstehen, wie man im 19.Jahrhundert die beiden «Br» auf der gleichen Stufe sehen oder gar Bruckner abwerten konnte. Eduard Hanslick verdient dafür für lange musikgeschichtliche Jahrhunderte in Dantes Kreisen zu wandeln. (PS: Ich hoffe, er weilt bei Frau Venus und muss Richard dem Grossen lauschen).
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant