Der Neujahrswunsch des Bischofs

Dieses Jahr ist es am Churer Bischof, den Neujahrsgruss der Deutschschweizer Bischöfe an uns auszurichten (SKZ1-2/2012, S.1f). Und – zu meiner irritierten Überraschung, das sei eingestanden – verbindet er seinen Gruss mit einem Ausblick zum Beginn des 50-Jahr-Jubiläums des Konzils. Dabei definiert er das fünfte Kapitel von «Lumen Gentium» als Mitte des Zweiten Vaticanums überhaupt (das wäre auch theologisch-logisch zu diskutieren, ob «Lumen gentium» diese Wertung verdient, warum nicht «Gaudium et spes», warum nicht «Nostra aetate»?), die Definition, dass alle Kirchenmitglieder, ob zur Hierarchie gehörig oder nicht, zur Heiligkeit berufen sind, und meint hoffnungsvoll, dass das Streben nach solcher Heiligkeit den Umgang der Kirchenmitglieder untereinander in gutem Sinne verändern werde.
Ein Schelm, wer da Böses denkt, nicht wahr? Es sollte wohl der Episkopus als gutes Beispiel voranschreiten und nach mehr Heiligkeit – sprich nach mehr Jesus-Nachfolge in den Haltungen von Nächstenliebe, Toleranz und Friedfertigkeit – streben. Denn solange sein alltägliches Handeln und Entscheiden derart menschenverachtend ist wie im Falle der bedauernswerten Priesteramtskandidaten, die es wagten, sich in eine Frau zu verlieben, kann man seine Grüsse nur entweder hohnlachend oder dann zornentbrannt lesen. Ich wählte das Erstere.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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