Täter, nicht Opfer

Am Sonntag sah ich Graham Vicks Sicht des Otello. Eine unnötige Inszenierung mit plumper englischer Schulzimmerpädagogik und problematischen Anspielungen zur Islamdebatte in Europa und in der Schweiz. Motto darum: Hingehen, Augen während zweieinhalb Akten schliessen und zuhören. Ab dem dritten Akt wird es dann besser, und wie Desdemona im Brautkleid auf der leeren Bühne steht, herrschen wieder normale Verhältnisse.
Gesungen wurde sensationell. Thomas Hampson und José Cura waren als Jago und Otello nicht nur sehr gut, sondern überragende Weltklasse. Gegen ihr Spiel kam auch Herr Vicks Inszenierung nicht an. Hampsons Jago: Brutal, destruktiv, abgründig schwarz. Curas Otello: Macho, Karrierist und Täter (sicher nicht Opfer). Nur zu gern rennt er in seinen Untergang.
Die Detailkritik wie immer bei mir erhältlich.

Heinz Angehrn

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