An die 85% der kirchensteuerzahlenden Mitglieder der Katholischen Kirchgemeinden praktizieren nicht regelmässig. Für Uneingeweihte: Sie besuchen nicht brav jeden Sonntag die Eucharistiefeier ihrer Pfarrei. Fast alle dieser 85% beanspruchen aber regelmässig, ab und zu oder auch selten die Dienstleistungen der Kirche: Religionsunterricht für die Kinder, Besuche bei Kranken, Betagten und in Spitälern, Taufe, Ehe, Beerdigung etc. Mit ihren Kirchensteuern ermöglichen sie erst dieses breit ausgebaure Angebot an Dienstleistungen.
Nun gibt es zurzeit in der internen Diskussion zwei Optionen, wie man (Klerikermann) diese 85% beurteilen kann:a) Sie gehören genau gleich wie die 15% voll Praktizierenden zu Kirche und Gemeinde und sollen ebenso ernstgenommen und mit ihren Ansprüchen und Erwartungen gehört werden.b) Als Neuheiden gehören sie im Gefolge einer anzustrebenden Trennung von Kirche und Staat möglichst schnell abgestossen.
Option a) steht etwa hinter unserem St.Galler Dekanatsprozess LOS (LebensraumOrientierte Seelsorge): Wir wollen mehr Mittel (personelle wie materielle Ressourcen) in Angebote für diese Menschen investieren und die Mittel für die 15% moderat reduzieren. Option b) ist natürlich die von konservativen Kirchenmenschen wie Herrn Grichting und des Bischofs, der unter seiner Fuchtel steht. Option b) ist aber auch zu befürchten hinter Benedettos seltsamer Forderung einer «Entweltlichung» der Kirche.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant