Guths Parsifal ist grossmehrheitlich gut

Also: Da war sie denn, die Aufführung am 2. im Opernhaus. Ich wusste ja recht gut, was uns erwartete. Die einzige ganz offene Komponente war Detlef Roth als Amfortas. Aber genau das wurde zur positivsten aller positiven Überraschungen. Endlich, endlich, nach Jahrzehnten, hört sich ein junger deutscher Bariton wieder nach Fischer-Dieskau an. Diese Präzisheit, dieses pointierte Singen, prächtig!
Zur Inszenierung (die lange Kritik gibts, und sie wurde schon verschickt): Guth ist um Meilen besser als die destruktiven Wüterich-Regisseure (auch um Meilen besser als die momentane Bayreuther Produktion), seine Bilder sind nicht primär hässlich, sondern primär eindrücklich, seine Logik ist nicht die des Ärgerns des/der Bildungsbürgers/in, sondern des historisch korrekt Neu-Durchdenkens. So entstanden faszinierende Blder irgendwo zwischen Wolfram von Eschenbach, John Steinbeck, Thomas Mann und dem Originaltext Wagners. Nur der politische Messiasgedanke um Parsifal wurde fader und fader, je länger die Oper dauerte, und alle waren froh, dass das «Wunder aller Wunder» sich ereignete, als sich das Bühnenbild gnädig abdrehte und Kain/Cal/Klingsor und Abel/Aron/Amfortas sich die Hände reichten.
Die Aufführung nur noch am 9. Allen empfohlen!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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