Geisterbahn 15

Die Fahrt dauerte für seine Begriffe endlos lang, immer wieder wechselte das Wägelchen die Fahrtrichtung, verlangsamte und beschleunigte sich. Immer wieder klapperte und stöhnte es doch irgendwo, trotz der fest zupressenden Finger. Nach einiger Zeit – viele Jahre später musste der dannzumal arg desillusionierte Ingo feststellen, dass eine solche Fahrt nur eine gute Minute dauert – kam zu den schon herrschenden Ängsten eine letzte und äusserst demütigende hinzu: Dass, wenn Ingos Wägelchen dem Reich der Schatten entrinnen würde, draussen Reto und andere Reto-ähnliche Kollegen mit Lachen und Spott auf ihn zeigen würden, wie er mit zusammengekniffenen Augen, mit zugepressten Ohren und in geduckter Haltung zu sehen sein würde. So bemühte er sich, die Geräusche zu deuten, zu erahnen, wann die Türe sich öffnen würde – und wahrhaftig schaffte er es, zum richtigen Zeitpunkt Augen und Ohren zu öffnen.

Heinz Angehrn

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