Doch nun war die Sachlage anders: Der Jahrmarkt war fast leer, aber die Geisterbahn stand da, war beleuchtet und mit Personal besetzt. Ingo wagte sich einige Schritte näher hin zur Startrampe mit den farbigen und mit kleinen Teufeln geschmückten Wagen. Vielleicht wäre heute der Tag, die schwere Probe zu bestehen, den unheimlichen Mächten zu widerstehen? Obwohl es weiter gemach regnete, verbrachte Ingo etliche Minuten damit, seinen Mut, seine Hoffnungen, ja sein Inneres angesichts der leeren Bahn zu ordnen. Dass er mit kaum genügend Taschengeld für das Abenteuer bestückt war, war ihm immer noch nicht ein- und aufgefallen. Doch da passierte schon das Ausserordentliche, auf das Ingo irgendwie schon seit Beginn gewartet hatte. Aus dem Kassenhäuschen drang eine Stimme; eine Frau, warm eingehüllt und hinter den Billettrollen sitzend, sprach ihn an. Sie war nicht jung, schon gar nicht hübsch, hatte aber einen vertrauenerweckenden Blick, der Ingo ermutigte, sich ihr zuzuwenden. «He, Du, hast Du Zeit? Könntest Du mir einen Gefallen machen?», so fragte sie ihn.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant