Ingo ging wie magisch angezogen auf die Geisterbahn zu, für ihn Inbegriff und Höhepunkt jedes Jahrmarkts. Teuflische Dämonen, grelle Hexen und vorweltliche Monster verzierten dieses Gebäude, aus dem grässliches Heulen und – wenn schönes Wetter war- das Kreischen der Kinder erklang. Ingo war noch nie mit der Bahn gefahren, hatte es sich aber schon lange gewünscht. Doch die Angst vor den Dämonen, Hexen und Monstern, die da drinnen stecken würden, eigentlich die Angst vor seiner Angst, seinem Erschrecken, hatte ihn immer abgehalten, sein bescheidenes Taschengeld in dieses Abenteuer zu investieren. Statt dessen hatte es dann eben zu Süssigkeiten und zu einigen Ballwürfen auf leere Konservendosen gereicht, bei denen Ingos Fähigkeiten ähnlich traurig wie im Turnunterricht ausfielen und mit denen er ähnlichen Spott beim Budenbesitzer wie bei Keller ausgelöst hatte.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant