Von Reto und seinem Anhang, falls dieser überhaupt existierte, keine Spur. So trödelte Ingo nun noch recht langsam im Gang herum, zog seine Schuhe in langsamstem Tempo an und beschloss, das Schulhaus nicht durchs Hauptportal, sondern durch die kleine, nach Westen gehende Türe zu verlassen, in der Nähe zudem oft der Abwart zu finden war. Er ging die Seitentreppe herunter, schlich am Zimmer des Vorstehers Eisenhut vorbei – denn der könnte ihn ja fragen, warum er da hinausgehe – und erreichte die Türe. Er öffnete sie und stand nun im immer noch leise prasselnden Regen. Wieder einmal war seine Reaktionszeit zu langsam, denn sonst hätte er erkennen können, dass Reto mit dem Rücken zu ihm Richtung Pausenplatz stand und wartete. Doch bis er das realisiert hatte, wandte sich Reto um und kam auf ihn zu. Ingo fühlte sich elend, schwach und mickrig, betrachtete trotzdem des Gegners dunkles Gesicht, wo schon kleine schwarze Haare auf der Oberlippe auftauchten, und wartete, was nun kommen würde.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant