Es spielte am vergangenen Freitag in St.Gallen das Mandelring Quartett, verstärkt durch Gunther Teuffel an Viola d’amore und Viola. Herr Teuffel gab zu Beginn des Streichquartetts Nr.2 in f-Moll von Leos Janacek, die «Intimen Briefe» des alternden Komponisten an seine Muse Kamila Stösslová, eine kurze, aber spannende Einleitung zur Viola d’amore, einem Instrument des Barock, das dann um die Jahrhundertwende von Komponisten wie Puccini und Janacek (also den in meiner Klassifikation «Bauch-Komponisten»), wiederentdeckt wurde.
Nun zu den Werken. Das war schon ein spannender Abend, depressiv vor der Pause, opulent-prächtig danach. Will heissen, dass des hier schreibenden Rezensenten Hirn vor der Pause aktiver war und sein Herz nach der Pause inbrünstige Töne aufsaugte. Vor der Pause zwei Stücke der Aussichtslosigkeit, beide im letzten Lebensjahr der Komponisten entstanden, Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett in f-Moll, kurz nach dem Tod von Fanny entstanden, und eben die «intimen Briefe». Und dann füllte sich die akustisch nach dem kleinen Deckenumbau (der natürlich von unserer lieben NSVAP bekämpft wurde, sind das trostlose Hirnis!) massiv verbesserte Tonhallen-Atmosphäre mit prächtigen Klängen, aufgesaugter Prärien-Melodik und nostalgischen Rückerinnerungen an das 18.Jahrhundert: Antonin Dvoráks Quintett in Es-Dur. Bellissimo. Molti bravi ai protagonisti!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant