In der ungeheuren Krise, in die sich die Führung der katholischen Kirche ohne zwingende Notwendigkeit und wohl auch wider besseres intellektuell-theologisches Wissen freiwillig hineinbegeben hat, als sie reaktionär-fundamentalistischen Kreisen Verantwortung anzuvertrauen begann, hilft es manchmal, auf die theologisch guten alten Mahner zu verweisen.
Einer von ihnen ist Eugen Biser. Er schreibt in seinem Alterswerk «Glaubenserweckung. Das Christentum an der Jahrtausendwende» aus dem Jahr 2000 unter anderem:
«Ungeachtet ihrer sonstigen Zerwürfnisse und Konflikte gingen die Kirchen doch in der Ansicht einig, dass ihre Gläubigen am wirksamsten durch die Suggestion von Gewissens-, Sünden-, Teufels- und Höllenängsten zur Akzeptanz ihres Angebots bewogen werden könnten. Und diese Strategie behielten sie auch dann noch bei, als sich längst herausgestellt hatte, welch schwere Verletzungen und Schädigungen sie an den Menschen hinterliess.» (S.24f)
Darf ich Herrn Biser gedanklich noch etwas fortsetzen: Die Akzeptanz eines solchen «Angebots» ist dann für den Durchschnittsmenschen besonders plausibel, wenn die aktuelle Welt als böse und negativ gewertet und eine quasi christliche Parallelstruktur zu ihr propagiert wird. So war es bei den Amish, so ist es bei den ICF, so ist es in der Kirche der neo-konservativen Bischöfe.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant