In Nummer 2 des «Publik-Forum» (2011/2, S.24-28) habe ich erst jetzt beim Nachlesen den spannenden Doppel-Beitrag zum Thema «Abschied vom Schöpfergott» entdeckt.
Eugen Drewermann und der in München lehrende Jesuit Christian Kummer setzen sich meines Erachtens nicht eigentlich kontradiktorisch, sondern einfach von zwei sehr verschiedenen Anmarschwegen her mit der Frage auseinander, was Religion wohl meint, wenn sie Gott als «Schöpfer» definiert (natürlich auch wieder eines der unzähligen Sprachspiele, das nur bei Einigkeit über die Definition überhaupt Anspruch auf Wahrheit innerhalb der es verwendenden Gruppe beanspruchen darf).
Die Termini «Ergriffenheit» und «Verlorenheit» zeigen den je radikal anderen Ansatz. Drewermann spricht von Natur als «offenbar» führungslos, ungefügt und unsinnig, ja er meint, dass an Gott nicht aufgrund, sondern «trotz» und «gegen» die Natur geglaubt werden kann. Der Darwinismus hat ihm schwer auf den Magen geschlagen, das «Fressen und Gefressen-Werden» als Prinzip der Evolution. Vermutlich hat Drewermann die Schocks von Neoliberalismus und Globalisierung noch nicht verdaut und projiziert sie statt auf den homo sapiens auf die gesamte Natur-Ordnung. Das «Entwerfen» der Welt als Gegenentwurf tönt furchtbar postmateriell und entlarvt ihn endgültig. Hier war er schwach zugange. Schade!
Christian Kummer darf als Mitbruder von Pierre Teilhard nicht so denken. Und ich muss sagen, dass es mir schon der Titel mehr angetan hat. Wenn Tiere auch Tiere töten und fressen, dann erfüllt mich doch doch mehr «Ergriffenheit» beim Erleben der Natur als beim Erleben der Spitzenleistungen menschlicher Technologie (wie: Autobahnen, Düsenflugzeuge, Atomkraftwerke). Und Kummer spricht von der Natur als «Sammelbehälter, geeignet, die Wirklichkeit zu sortieren», von einem wahren «Füllhorn» im Sinne der Antike. Und er wagt es, die Natur auch religiös zu deuten, wenn er die «Befähigung in Wachsen und Werden», die er dem Darwinismus entgegenstellt, als Ordnungsprinzip sieht. Vielleicht zu optimistisch, wenn Drewermann zu pessismistisch war. Meinen Erfahrungen entspricht das eher.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant