Interview mit Bischof Burcher, Island (I)

Im Jahr 2007 wurden Sie vom Papst zum Bischof von Island ernannt. Was war Ihre erste Reaktion?Ja, das war für mich eine volle Überraschung als mich Papst Benedikt XVI. vor fünf Jahren als Bischof von Reykjavik ernannt hatte.
Kannten Sie Island? Was wussten Sie von diesem Land?Diese Insel aus Eis und Feuer war mir total unbekannt. Sie waren vorher Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg. Was mussten Sie als Bischof von Island neu lernen?Mehr als 13 Jahre war ich Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg. Ich bin jetzt der sechste Bischof von Reykjavik nach der Reformation. Ein Einziger war Isländer. Und auf 18 Priester gibt es jetzt auch nur ein einziger Isländer. Alle anderen sind Ausländer -wie der Bischof. Ich musste alle Begebenheiten in Island lernen. Wir beten und arbeiten miteinander in Zufriedenheit und Mut für die Evangelisierung unseres Volkes. Dort, wo Du das tun kannst, kannst Du auch zufrieden sein. So bedeutet für mich diese Mission in sich eine ganz neue Evangelisierung. Was sind die grössten Unterschiede in der katholischen Kirche zwischen Island und der Schweiz?Mit unseren 3% der ganzen Bevölkerung sind wir eine Minderheit und wir leben zerstreut auf einer grossen Insel. Wir sind keine Staatskirche wie es hier die lutherische Kirche ist. Wir sind in Island eine kleine, arme aber junge und lebendige Kirche. Was bezeichnen Sie als die grösste Herausforderung der katholischen Kirche in Island?Die katholische Kirche in Island hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie die ganze Bevölkerung. Das heisst zuerst mit der jetzigen Wirtschaftskrise. Diese Wirtschaftskrise betrifft die junge katholische Kirche in Island sehr direkt.Das Ergebnis ist Armut, Arbeitslosigkeit und auch Auswanderung. Neue und oft schwierige Probleme entstehen daraus.Viele Isländer kehren jetzt zurück zu herkömmlichen Einnahmequellen und lernen zu sparen. Sie entdecken auch wie wichtig es ist, eine neue Wertskala zu schaffen auf welcher den wahren Sinn des Lebens hervorhebt. Wie begegnen Sie dieser Herausforderung?Es braucht Hoffnung und Einsatz. Unsere Priester und die meisten Ordensleute sind jung und in der missionarischen Pastoral auch sehr kreativ. Sie tragen dazu bei, der katholischen Kirche in Island einen neuen Schwung zu geben. Dabei hat die religiöse Bildung sowohl der Jugend wie auch der Erwachsenen ihren unentbehrlichen Platz zu finden.

Sibylle Hardegger

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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