Die Predigt im Seminar

Vor dem Hintergrund der neusten Vorkommnisse rings um das Bistum Chur, sein Priesterseminar, seinen Bischof und seinen Regens dürfte es angebracht sein, hier zu zitieren und zu dokumentieren, was des Bischofs Worte erst vor wenigen Tagen in einer Predigt im Seminar waren. Er sprach zu den Studenten über die Bibeltexte zum sechsten Sonntag im Jahreskreis, insbesondere über den Lesungstext aus Jesus Sirach. Da ich selber genau dasselbe tat, war ich höchst gespannt. Hier eine Kernaussage (das Bistum dokumentiert den vollen Text):
‘Theologen haben deshalb die Pflicht, den Menschen die reine, unverfälschte Lehre des Glaubens und des Handelns vorzulegen, damit sie nicht in die Irre gehen und den Tod statt das Leben wählen. Theologen haben deshalb ebenso die Pflicht, sich selber über diese reine, unverfälschte Lehre des Glaubens und des Handelns kundig zu machen und sich darin zu bewähren, damit das Wort des Herrn nicht auf sie zurückfalle: «Wer nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.» ‘
Ich nehme an, dass Bischof Vitus bei diesen «kleinsten Geboten» vor allem die moraltheologischen Passagen des CIC und des Katechismus vor Augen blinkten. Die «reine, unverfälschte» Lehre liegt hier vor, nicht wahr?
Die armen Studenten! So erzieht man Skrupulanten.
Jesus aus Nazareth, jüdischer Wanderprediger, letzter der Propheten und nach den Ereignissen von Karfreitag und Ostern fortlebender Christus seiner Kirche, der Jesus hat doch gesagt: «Ich bin gekommen zu erfüllen, nicht aufzuheben». Ich verstehe das recht anders. Er entlässt uns in die Freiheit der ihr Gewissen ernstnehmenden Kinder Gottes.

Heinz Angehrn

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