Mehr aus dem braunen Osten

Herr Thomas Müller profitierte bei seiner Politkarriere vor allem (nebst seiner kaum bestrittenen regionalen Tätigkeit in Rorschach) von dem ultimativen Erfolgserlebnis der Region St.Gallen der letzten 30-50 Jahre, dem Meistertitel des FCSG. Damals war er Präsident des Fussballclubs. Und wer mit einer solchen Aura von Erfolg umgeben ist, der muss einfach gut sein und Wählerstimmen bringen. Das dachte sich wohl die Partei, die ihn auf die Nationalratsliste setzte und nun in der Mehrheit so empört-entrüstet ist. Vielleicht hat man (und frau) damals zu wenig hingeschaut und hingehört?
Zum anderen: Ich bin in der St.Galler Welt zuhause und aufgewachsen, seit ich Baby war. Ich habe diese Luft ganz tief eingeatmet und sie hat mich als Oberstufen- und Kantonsschüler und als Studenten extrem beengt, so dass ich pubertierend und spätpubertierend wüst über die Stränge schlug (leider, leider – tiefe Trauer heute – nur im politischen Sinn, nicht aber beim Lebenswandel). St.Galler Luft hiess in den 60er und 70er Jahren absolute Mehrheit der CVP im Kantonsparlament, 50 Prozent der eidgenössischen Sitze für sie und enge Gleichschaltung von «katholisch» und CVP. Natürlich gab es einen christlichsozialen Flügel, aber der Grundton wurde von Haudegen und Hardlinern wie Jakob Schönenberger und Edgar Oehler und dem Furgler-Clan vorgegeben.
Vielleicht, so meine Spekulation, findet Herr Müller in der SVP St.Gallen das, was er an der an der radikal gewandelteten CVP einst liebte? Back to the roots?

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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