Betrachtungen mit und zu Giuseppe G

Heute im Tagblatt wird Giuseppe als «Kopf des Tages» portraitiert. Ich kenne ihn seit seiner Schulzeit in St.Otmar, der St.Galler Stadtpfarrei, die in meinen Vikar-Jahren bei Schülern und Jugendlichen wohl einen Italiener-Anteil an die 40 Prozent erreicht hatte (ich lernte im Jugendtreff sowohl italienische Kartenspiele wie auch wüsteste Flüche und Beschimpfungen, gleichzeitig aber auch, dass ein anständiger Billardspieler ein Gilet trägt…). Ich schweife ab, werde melancholisch.
Zurück zu Giuseppe. Ein spannender Mann, der sich nun in Chur – wie er selber eingesteht – einen recht masochistischen 70%-Job zumutet. Und so las ich mit Freude und Interesse. Las, dass er den katholischen Neokonservativismus als «unbarmherzig» bezeichnet. Hatte Freude. Las dann aber, dass er von einer «liberalen Gefahr» spricht, die bloss fette Strukturen erhalten und heilige Anfänge verwässern wolle. Las auch noch, dass er zurzeit in Luzern Theologie nachholt.
Lernt man das in Luzern? Lehren das die Kollegen dort? Dass «liberal» ein per se negativer Begriff ist? Dass «liberal» Verwässerung von Idealen meint und faul und träge macht? Lehrt man dort etwa keine Kirchengeschichte des 19.Jahrhunderts? Ich lernte bei Victor Conzemius in etwa das Gegenteil.
Und so bin ich erstaunt und perplex und hoffe auf Klärung.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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