Nur eine Bratsche?

33 Jahre jung ist Lawrence Power, Solo-Bratschist aus England, der zusammen mit Simon Crawford Phillips in St.Gallen einen begeisternden Kammermusikabend gestaltete. Ebenso expressiv wie Mélodie Zheng, die ich hier schon schilderte und tadelte, aber das gottseidank nur auf den Saiten und nicht im Gehabe.
Power und Crawford Phillips machten es uns auch musikalisch einfacher als das Shanghai Philharmonic Orchestra. Sie begannen mit einer Phantasie für Viola und Klavier des Engländers York Bowen, die zwischen Spätromantik und Moderne eine Brücke baute. Dann schloss sich mit Robert Schumanns Märchenbildern der fast langweiligste, weil etwas gar beliebige, Teil an. Nach diesen quasi Einwärmungsstücken folgten dann die Highlights: Johannes Brahms erste Violasonate, ein Spätwerk, romantisch schwelgend, so dass selbst Richard der Grosse wohl seinen Gefallen gehabt hätte, und insbesondere die beiden Bratschen-Adapationen aus der Hand von Vadim Vassiliewitsch Borisovsky zu Werken von Dmitri Schostakowitsch (»Die Hornisse») und Sergej Prokofjew (»Romeo und Julia»). Melodisches Schwelgen, Zigeuner-Klänge, rythmische Hochtempi und engagiertes Spielen – wer durch Schnee, Eis und Abendverkauf den Weg in die Tonhalle gefunden hatte, wurde reich beschenkt.
Modest Mussorgskys Träne beschloss den Abend, auch sie in einer Transkription.

Heinz Angehrn

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