Wenigstens die Einleitung

Nämlich die zur zweiseitigen Kritik über Adrian Marthalers Sicht von Rossinis «Guillaume Tell» (der Rest ist erhältlich):
Zum einen ein Lob für Gioacchino Rossini als Komponisten von fröhlich-intriganten Opern, in denen die Liebe junger Leute die Widerstände ihrer ältlichen Umwelt überwindet. Wenn da in jedem Finale der Rossini-Turbo zündet: Freude herrscht. Doch wenn sich der Maestro aus Pesaro aufs Glatteis der ernsten, ja dramatischen Oper (und dann noch nach den Forderungen der Grand Opera in Paris) begibt, und der Turbo ermattet, wenn hehres Pathos verkündet wird, dann wird’s leider – es muss eingestanden werden – öde, ja langweilig. Dieses Metier hätte Rossini besser Richard dem Grossen überlassen, der kann’s deutlich besser. Und wenn das «Tell»-Finale dann wie «Lohengrin» tönt, ist man(n) nur traurig, nicht in jenem gesessen zu haben, man hätte die Viertelstunden nicht so langsam zählen müssen!
Zum zweiten verirrte sich nach den Wirrungen um Herrn Hengelbrock (Glaubt jemand die Geschichte, dass er wegen des nicht gleichbleibenden Orchesters ausgestiegen ist? Ich nicht, ich denke, dass er mit Herr Marthaler nicht handelseinig wurde.) Maestro Gianluigi Gelmetti aus Siena nach Zürich. Mit leicht eklig verzogenem Gesicht dirigierte er bewusst nicht mit, sondern gegen Herrn Marthaler und versuchte, wenigstens den Orchestergraben zur Piazza zu machen. Sein Feuer zündete dort, auf der Bühne und im Zuschauerraum geschah anderes. Zunächst Spannendes.
Zum dritten kann man nun wirklich dieses Werk überall auf der Welt konventionell bis leicht modernisiert inszenieren, nicht aber in der Schweiz. Wir kennen diese Geschichte in- und auswendig, haben unsere Bilder seit Kindesbeinen im Kopf. Und wenn im absolut idiotischen Libretto der Herren de Jouy und Florent (eben: «welscher Tand») der Bösewicht Gessler in seiner Burg Krokodile halten soll, denen Tell zum Frass vorgeworfen wird, dann denkt der Nicht-Eidgenosse vielleicht an «Live or let die», wir aber krümmen uns vor Lachen. Darum hat man zu Recht Adrian Marthaler engagiert, hat er zu Recht voll ironisierend inszeniert.

Heinz Angehrn

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