Um aufzuzeigen, dass ich hier nicht Erfundenes oder Imaginäres schreibe zum Thema der Regisseure/innen, Kritiker/innen und der Realität jenseits von ihnen:
Adrian Marthaler hat gerade frisch den «Guillaume Tell» in Zürich inszeniert. Ich sehe die Aufführung nächsten Sonntag und melde mich dann mit der Detailkritik. Nun ist Marthaler eben kein ideologischer Hirnregisseur, sondern ein zur Melancholie neigender Bauchregisseur. Also wird sein «Tell» nicht so ausfallen, wie ihn die gerne hätten, die mit dieser Aufführung primär das Publikum ärgern und die reine Lehre dozieren wollen.
Und so schreibt die Kritikerin des Tagblatts, Frau Verena Naegele, in der heutigen Premierenkritik zwar, dass Marthaler furios, kokettierend und augenzwinkernd inszeniert. Also: Wir wissen: Das wird Spass machen. Ein Tell für die SVP-gebräunte Schweiz inmitten eines blauweissen EU-Vierwaldstättersees, why not?
Aber, so doziert Frau Naegele in altbekannter Manier: «Die Figurenführung beschränkt sich auf konventionelle Operngestik». Also: Wir wissen: Die Sänger/innen dürfen so spielen, wie es Text und Inszenierung entspricht. Und genau so soll es sein, Frau Kritikerin!
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant