Hansjörg Schneider lässt den letzten Fall, den Kommissär Peter Hunkeler, am Rand der Pensionierung stehend, noch erlebt, aber nicht mehr im eigentlichen Sinne löst, in zwei Welten spielen, die ihm Heimat waren und sind: Am Basler Rheinhafen, am Dreiländereck (dort beginnt und dort endet der wie alle Vorgänger in der Auflösung eher düstere Krimi), und in der Basler Theaterszene. Da niemand Geringerer als der Theaterdirektor ermordet wird und ihm gar noch die Augen ausgestochen werden (warum verrate ich nicht, das würde Euch/Ihnen Lesenden den Spass rauben), erlaubt sich Schneider den Spass, den Krimi mit einer herrlichen Persiflage des modernen Regietheaters zu verbinden, das ich hier immer wieder kommentiere.
Alles ist da: Eine hässlich-unappetitliche Inszenierung (sie könnte direkt von Kusej sein) des «König Oedipus» von Sophokles ohne Sinn und Bezug zum Stoff; ideologische Spät- und Nach-68-er in Regie und Theaterkritik, die mit wilden Worten und matten Fäusten um sich schlagen; der alte Alki-Barde, der die Hölderlin-Sophokles-Texte zwar besser beherrscht als die jungen Schauspieler, die sich den Regisseuren ausliefern, aber kein Engagement mehr bekommt; die protestierend-rentitenten Daig-Millionärsgattinnen vom Bruderholz; und die «Blöd»-Zeitung (von mir immer noch auch für die Schweizer Variante mit dem B verwendet, aber eigentlich aus den herrlichen Manfred Krug-»Tatort»en stammend), die sich einfach für den Skandal interessiert.
Einfach herrlich zu lesen. Und wie mit blutigen Monatsbinden die altgriechische Theaterbühne verschmiert wird, konnte ich mich vor Lachen kaum halten. Genau so doof kann es nämlich sein, das vielgepriesene Regie-Theater.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant