Ein neues und wieder äusserst garstiges Exempel für das ästhetische malum des sogenannten «Regietheaters» hat mein Spezialfreund Martin Kusej in München abgeliefert. Ich stelle mir das so vor, dass Herr Kusej seine Zeit mindestens zu einem Drittel der Tage damit verbringt, neue Pläne auszuhecken, wie er den/die Opern-Besucher/in statt zu innerer Freude zu Brechreiz führen kann.
Da gab es also in Oesterreich erst kürzlich den grauenhaften Fall des Herrn Fritzl und seiner «Familie». Und Kusej denkt sich nun, dass er genau den Fall benutzen könnte, um eine der stimmungsvollsten Opern im Bereich der Naturromantik, «Rusalka» von Antonin Dvorak, zu zerstören und ad absurdum zu führen. Das Auftauchen der Nixe aus dem Wasser, ihr Hereintreten in die Menschenwelt, der schreckliche Handel Menschengestalt versus Stimme, das Scheitern der Utopie und der Sieg der Gewalten der Natur, dies bastelt und würgt Kusej um, zerstört es im innersten Kern, schmiert Rehblut an die Wände und vergeudet so Geld und Zeit.
Nun: Wir haben das Unheil ja schon mit «Salome», «Elektra» und «Zauberflöte» gesehen. Wer stoppt Kusej?Und: Ich masse mir an, trotz fehlender Ausbildung jede dieser Opern «sinnvoller» inszenieren zu können als er.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant