Heute hat mein Tag schon ganz früh begonnen. Ich wollte nämlich die Gunst der Stunde nützen und noch vor dem Frühstück in den heissen Quellen Reykjaviks baden. So machte ich mich bereits um 6.30 h auf den Weg. Doch ich war nicht die Erste im Schwimmbad. Ein paar Senioren schwammen schon ihre Längen oder sassen in «den heissen Töpfen». Es war ein Vergnügen unter Sternenhimmel und bei nur gerade 6 Grad (Lufttemperatur) in die heissen Quellen zu steigen und sich vom warmen Wasser verwöhnen zu lassen. Wunderschön auch der Moment, wenn der Tag über Rejkyavik hereinbricht.
Zum Frühstück war ich dann ganz pünktlich zurück im Bischofshaus. Anschliessed Koordinationssitzung mit meiner Kontaktperson. Der Bischof hat mir breits davon berichtet, dass die Schwestern von Mutter Theresa hier ein «Suppenküche» beziehungsweise ein Wärmestube betreiben, wo arme und minderbemittelte Menschen zu Essen bekommen. Diese Stube ist täglich von 9 – 11.30 h offen. Ich denke, es wäre sinnvoll für unsere Praktikanten dort mit zu arbeiten, wenn das für die Schwestern auch gut ist. So hat Porkell mich bei den Schwestern gleich angemeldet zum Gespräch. Das Haus der Schwestern liegt mitten in der Stadt und ich kann zu Fuss hingegen. Als ich eintreffe, sind etwa 20 Personen in der Wärmestube. Ich stelle mich den Schwestern vor und schon ruft man nach Sr. Ioanna, der Priorin. Die Begrüssung ist herzlich und die Schwestern würden es sehr schätzen durch unsere Praktikanten unterstützt zu werden. Als ich frage, ob ich ein paar Bilder machen kann, werde ich auch in die Küche geladen, bekomme einen Kaffee serviert. Dann kommt Sr. Jan-Marie dazu und als sie erfährt, dass ich Schweizerin bin, möchte sie unbedingt, dass ich schweizerdeutsch spreche. Sie arbeitete 2 ½ Jahre in Zürich und liebt unseren Dialekt. Ich bewundere die Schwestern, die täglich in der Wärmestube präsent sind. Einfach Dasein für die Mitmenschen! Die Begegnung mit ihnen stärkt mich. Seit 15 Jahren sind die Schwestern von Mutter Theresa hier in Island, aber erst vor einem Jahr konnten sie das Haus mitten in der Stadt kaufen und die Wärmestube einrichten. Vorher wohnten sie etwas ausserhalb des Zentrums und mussten immer pendeln. Nun sind sie präsent, mitten drin, dort wo das Leben «voll» abgeht. 6 Schwestern bilden die Gemeinschaft und sie kommen aus allen Herren Ländern: Indien, Nigeria, Ukraine, Rumänien etc. Wir tauschen Namen und Adressen und zum Abschluss umarmen wir uns herzlich und segnen uns gegenseitig. Und irgendwie werde ich still als ich mich auf den Heimweg mache Richtung Bischofshaus. Im Bischofshaus arbeiten derweil die Mitarbeiter im Archiv für mich. Sie suchen verwendbare Texte über die Geschichte der Wallfahrt in Island. Und zum Teil sind sie daran, diese zu übersetzen, denn bisher gibt es sie nur auf Isländisch. Und Porkell organisiert für morgen bereits die nächste Begegnung, draussen in Hafnarfjörder. Reiche Tage!
Begegnungsraum – Gespräch – Essensausgabe der Schwestern von Mutter Theresa
Sibylle Hardegger
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant