Wenn man(n) zitiert wird

,ist man(n) entweder prominent oder in positiver oder negativer Weise aufgefallen. Nun denn, es muss schon das zweite und nämlich im zweit-zweitem Sinne sein, dass ich – eigentlich erfreut – im «Forum»-Editorial des Nachbarkollegen plötzlich folgendes zu lesen fand:
«Doch Papst Benedikt erkennt die ganze Dramatik der Kirche unserer Zeit gerade darin, dass bis weit in die Kirche hinein der Christusglaube seine Klarheit verloren hat. Wenn Jesus nur mehr als der Rabbi oder Wanderprediger aus Nazareth angesehen wird, wenn ein fast unüberbrückbarer Graben konstruiert wird zwischen dem historischen Jesus und dem Christus des Glaubens, den die Kirche aus Jesus gemacht haben soll, wenn Jesus nicht von Anfang an Gottes Sohn ist, sondern erst nachträglich dazu erklärt worden sein soll …»
Fatal, fatal. Er zitiert gut und fast korrekt, der Kollege und Mitbruder. Ja natürlich stimmt das fast alles, denn (fassen wir geduldig zusammen, ganz geduldig):a) Gott hat keine Söhne (und Töchter) im wörtlich-physischen Sinne.b) Absolute Wahrheit haben Sprachspiele im Kreis jener, die die Begriffe selbstdefiniert haben.c) Karfreitag und Ostern sind Wendepunkt der frühesten Kirchengeschichte.etc. etc.
Was falsch ist, und was ich nie sagte und schrieb, ist dieser Terminus «fast unüberbrückbarer Graben». Der verrät nun die Absicht, den Scheiterhaufen anzuzünden und die Inquisitoren herbeizurufen.Ich habe immer gesagt und geschrieben: «Der Wanderprediger Jesus aus Nazareth, der zum geglaubten Christus der frühen Kirche wurde». Keine Wertung. Nichts von «unüberbrückbar», nichts von «aus Jesus etwas machen».Nein, nein, so billig geht das nicht! Mehr Argumente! Bessere!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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