Heute traf ich im Bischofshaus meine Kontaktperson für die Diözese Rejkyavik. Porkell ist Mitarbeiter in der bischöflichen Verwaltung und spricht sehr gut deutsch. Von ihm erfahre ich, welche Pfarreien und Gemeinschaften sich gut für Praktikanteneinsätze eignen werden. Da heute am Bischofssitz gerade der Priesterrat tagt, sind die Priester alle im Haus, so dass ich mit künftigen Praktikantenbegleiter sogleich persönlichen Kontakt aufnehmen kann. Ich komme ins Gespräch mit dem Pfarrer aus Akurery. Er kann sich sehr gut vorstellen, dass ein Praktikant oder eine Praktikantin zu ihm kommt. Arbeit gibt es genug! Gut wäre es, wenn der Praktikant auch Autofahren könnte. Die Pfarrei sei weit verstreut und da könnte ein Praktikant eine grosse Unterstützung sein, wenn er hie und da ein Chauffeurendienst leisten könnte. In Akurery gibt es auch eine Schwesterngemeinschaft, die eine Tagesstätte für Kinder betreut, auch hier ist tatkräftige Unterstützung willkommen. Dann spreche ich mit P. David, einem der drei Kapuziner, die im Osten des Landes leben. «Schick uns jemand, der mit den Händen arbeiten kann, wir fahren täglich zum Fischen, da kann Hilfe gebraucht werden», sagt er mir und lacht mich fröhlich an. Und: «Wir bauen grad ein Gästehaus und Unterstützung ist willkommen.» P. David erklärt mir, dass sie keine Leute brauchen können, «die mit Büchern unter dem Arm ankommen. Wir wissen zwar, wie man eine Predigt hält, Menschen tauft oder die Messe feiert, aber wie sollen wir das tun, ohne die Menschen? Wir hier in Island müssen zunächst Menschenfischer sein. Das ist das Erste.» Eine dritte Praktikumsstelle soll hier in Rejkyavik eingerichtet werden. Es gibt genug Arbeit im und ums Bischofshaus und auch bei den Schwestern von Mutter Theresa. Diese haben vor einigen Jahren eine Suppenküche eröffnet und verköstigen täglich bis zu 40 Personen, die arm sind und/oder auf der Strasse leben.Am Nachmittag lädt mich der Bischof spontan ein im Priesterrat von meinen Projekten zu berichten. Ich sage, solange ich das nicht auf isländisch machen muss, komme ich gerne. Wir einigen uns auf Englisch. Es ist die Sprache, die hier alle Priester verstehen. Das Interesse bei den Priestern ist gross. Unsere spannende Diskussion müssen wir dann leider abbrechen, da wir um 18 h in der Kathedrale Gottesdienst feiern wollen. Damit alle Gottesdienstbesucher etwas verstehen, wird der Gottesdienst viersprachig gefeiert: Isländisch, Deutsch, Englisch und Latein.
Ein reicher Tag und ich habe noch nicht davon berichtet, heute die weltbeste Hummersuppe gegessen, Walfisch verkostet zu haben und dass in Rejkyavik die Gehsteige beheizt sind.
Sibylle Hardegger
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant