Nach knapp 3 Std Flug bin ich in Island angekommen. Am Flughafen freundlich empfangen, wurde mir sofort ein Schlüssel für das Bischofshaus und einer für das Kloster der Schwestern, wo ich untergebracht bin, übergeben. Ich bin sprachlos ob der Grosszügigkeit. Die Reise vom Flughafen in die Stadt, war wie die Fahrt durch eine andere Welt: Im Hintergrund die Schneeberge, im Vordergrund die Gesteins»wüsten». Ein unglaubliches Schauspiel an Farben und Formen. Im Bischofshaus wurde ich sehr freundlich empfangen von Bischof Pierre Burcher. Schön einmal wieder den Walliserdialekt zu hören. Mit den Schwestern, wo ich wohne, unterhalte ich mich auf Spanisch! Multikulti auch hier!Beim Nachtessen im Bischofshaus vernehme ich allerlei Interessantes. Zum Beispiel, dass es bereits im 11. Jahrhundert eine Isländerin gab, GuðrÃður ûorbjarnardóttir, die nach dem späteren Amerika reiste, um dort den Glauben zu verkünden. Anschliessend nach Island zurück kam und eine Wallfahrt nach Rom unternahm. Der Kanzler bezeichnet sie – wohl zurecht – als erste Missionarin, die nach Amerika und Rom reiste. Sie lebte übrigens später als Einsiedlernonne im Norden Islands. Und diese Frau nimmt in der Geschichte Islands wie auch der katholischen Kirche in Island eine bedeutende Rolle ein. Bischof Pierre bezeichnet sie als «Vormutter» der mittelalterlichen katholischen Bischöfe. Oder dies: Wiederentdeckung des Wallfahrtsortes Mariulind hier in Island. Die heilige Mutter Gottes erschien dem Bischof Gudumundur 1230 in Mariulind und bat ihn die dortige Quelle zu segnen. Diese versiegte seither nicht mehr und das Wasser ist heilsam bei Augenkrankheiten. In diesem Sommer lud Bischof Pierre seine Gemeinde zur Wallfahrt nach Mariulind ein. Anstatt der erwarteten 20 Personen, konnten 3 Busse gefüllt werden!
Und dann auch dies: Der Bischof versucht einen Verlag zu finden, der das Messbuch auf Isländisch drucken könnte – noch fehlt bis heute ein isländisches Missale. Doch weil die Auflage so klein sein wird, kommt ein Exemplar auf 700 (!) Euro . Unbezahlbar für die Diözese Reykyavik. Wenn es nicht so «tragisch» wäre, müsste man sagen: Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht!
Sibylle Hardegger
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant