Meiner kleinen Auflistung von Zahlen in den letzten Blogeinträgen kann entnommen werden, dass fast 50% der Priester, die in der Diözese Stockholm und somit in Schweden arbeiten einer Ordensgemeinschaft angehören. Sie sind eine grosse Stütze für die katholische Kirche hier im Norden. Ich habe die Mitbrüder nach dem Grund der grossen Anzahl von Ordensleuten gefragt. Im besten Sinne des Wortes war Schweden Missionsland. Die Orden kamen hierher um den Glauben zu verkünden. Als Mitglieder einer Ordensgemeinschaft brachten sie nicht nur die frohe Botschaft mit, sondern auch tragfähige Strukturen. Dies war in der jungen Kirche Schwedens auch dringend nötig. Es waren die einfachen Fragen: Wie organisiert man was? Wie organisiert man ein Versammlungslokal und wie wird es bezahlt, wer schaut dazu? Es waren auch die Orden, die das Fenster in die Weltkirche öffneten. Kontakte zu den Heimatprovinzen der Ordensleute brachten einen fruchtbaren Austausch in Gang. Am Anfang des Weges der katholischen Kirche stehen vor allem die Orden. Heute ist es so, dass sie den Nachwuchs aus den nordischen Ländern rekrutieren können – vor allem die Frauenklöster. Ganz zu schweigen davon, dass es Gemeinschaften und Klöster gibt, die als ganzes Kloster zum katholischen Glauben übergetreten sind. Wie wichtig die Struktur einer Ordensgemeinschaft ist, zeigt sich noch einmal an der Geographie des Landes. Selbst der grösste Einzelkämpfer wird irgendwann müde, wenn sein Nachbarpfarrer nur nach sechsstündiger Autofahrt zu erreichen ist. So ist es auch für die Seelsorger gut, wenn sie als Gemeinschaft – und bestehe sie nur aus zwei oder drei Personen – in die entlegenen Gebiete des Landes gesandt werden können. Die Ordensleute werden von den Diözesanpriestern in der Regel voll akzeptiert. Ressentiments verspürt man keine. Ein Blick auf die homepage der Diözese Stockholm (www.katolskakyrkan.se) zeigt, dass alle Chargen im Ordinariat mit Ordensleuten besetzt sind – selbst der Bischof ist ein Ordensmann. Wenn man sich vorstellt wieviel Vernetzung in die Weltkirche und somit auch Potential dadurch vorhanden ist, kann dies nur als etwas Positives bewertet werden. Dabei denke ich natürlich auch ein wenig an die Schweizer Diözesen. Dort gibt es aus gewissen Kreisen jeweils einen Aufschrei, wenn Ordensleute zu Bischöfen bestellt oder wichtige Ämter mit Ordensleuten besetzt werden. Die Frage lautet dann meist: Haben die keinen Diözesanpriester gefunden? Dass es auch eine immense Chance sein kann, Ordensleute in verantwortliche Positionen zu bringen, das habe ich hier noch einmal in besonderer Weise erfahren.
Sibylle Hardegger
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant