Mir ist es ein Anliegen, als Angehöriger der Generation, die in den 70er Jahren Luzerner Theologie studiert und im Seminar gelebt hat, zu erzählen und beschreiben, wie mit den heiklen Themen um Zölibat, Ehelosigkeit und Sexualität umgegangen wurde. Ich bitte, mich nicht in dem Sinn miss zu verstehen, als dass Angehörige unserer Generation, die Übergriffe begangen haben könnten (gottseidank weiss ich von keinem einzigen meiner Kollegen nur ansatzweise etwas), primär als Opfer gesehen werden müssen. Ich will nur erzählen, was war, und vor allem, was nicht war.
Also: Unsere Regenten (Otto Moosbrugger, Ruedi Schmid), unsere Subregenten (Paul Zemp, Viktor Dormann) und unser Spiritual (Fritz Schmid) setzten immer wieder Schwerpunkte und Impulse zu den drei evangelischen Räten: Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit. Jesus-Nachfolge wurde im Licht dieser Werte ausgeleuchtet, das Leben eines Seelsorgers, eines Priesters, entsprechend ihnen gedeutet. Aber: Sexualität im eigentlichen Sinne war in allen Jahren nie ein Thema, kam kaum zur Sprache. Der Verzicht auf eine Ehefrau und auf Kinder schon, aber nichts zu dem, worum es wohl auch geht: Keuschheit/Enthaltsamkeit oder nicht. Es wurde auch nie von der sexuellen Orientierung gesprochen, nie nur im geringsten danach gefragt. Ich weiss heute etwa, dass an die zehn mir heute bekannte (die Unbekannten also nicht gerechnet) homosexuelle Kollegen im Hause wohnten und lebten. Auch davon, dass es da einen rechten Anteil geben musste, nie ein Wort.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant